Market comment

New Preferences

Die Sicht der Aktienmärkte hat sich radikal geändert – bleibt Europa favorisiert?

DAX plus 20% - Nasdaq minus 10%

Noch anfangs Jahr ging man davon aus, dass die US-Wirtschaft noch eine Weile ihr Wachstumstempo halten und Europa nur mühselig aus der Stagnation finden wird. Inzwischen haben sich die Einschätzungen geändert. Einerseits mehren sich die Anzeichen in den USA, welche auf eine konjunkturelle Abschwächung hinweisen. Einen nicht unwesentlichen Grund liefert die Regierung Trump mit ihrem radikalen Vorgehen zur Entschlackung des Staatsapparates. Zudem wirkt sich der Zollkrieg alles andere als beruhigend auf den US-Konsumenten aus.

Andererseits haben die Amerikaner Europa aus dem Schlafwandel geweckt mit irritierendem Verhalten gegenüber der Ukraine und der Infragestellung des Verteidigungsbündnis NATO. Europa hat entschieden die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern und will Milliarden in die Aufrüstung und Sicherheit investieren. Eine zentrale Rolle spielt Deutschlands neue Regierung, welche zur allgemeinen Verwunderung im Eilverfahren ein Investitionspaket von 500 Milliarden durchs Parlament bringen will. Dieser neue «Aktivismus» in Europa wird sich als Stimulanz für die Wirtschaft erweisen.

An den Aktienmärkten hat eine eindrückliche Verschiebung der Präferenzen begonnen. Der deutsche Aktienindex hat seit Jahresbeginn um rund 20% (in USD) zugelegt, während der Nasdaq rund 10% verlor. Die Schwäche des US-Marktes ist teilweise der Ernüchterung des KI-Hypes geschuldet, ein Thema, das aus Investorensicht allerdings noch lange im Fokus bleiben wird. Die Verschiebung der relativen Attraktivität von US-Aktien zu Gunsten europäischer Aktien ist aber auch bewertungsmässig gut abgestützt, sind doch europäische Aktien im Vergleich zu den US- Aktien auf einem historischen Tief gelandet.

Der konjunkturelle Impuls für Europa hängt davon ab, was und wann von den Plänen der europäischen Regierungen und der EU umgesetzt wird. Eine Abkehr von den Aufrüstungsplänen in der Hoffnung, dass in 4 Jahren alles anders sein wird, scheint eher ausgeschlossen. Dies umso mehr als zu bezweifeln ist, dass mit den unberechenbaren Trump und Putin eine baldige und nachhaltige Waffenruhe in der Ukraine eintreten wird. Wir sind der Ansicht, dass Euphorie nicht angesagt ist, aber die veränderten Rahmenbedingungen Anpassungen im Portfolio aufdrängen.

Für Europäer und insbesondere Schweizer sollte der heimische Markt im Portfolio verstärkt werden und das Engagement in Tech Aktien reduziert, aber keineswegs eliminiert werden. Für USD basierte Anleger ist ein Engagement in Europa zumindest überlegenswert, zumal auch Währungsgewinne möglich sind. Normalerweise führt nämlich eine relative Wachstumsschwäche in den USA im Vergleich zum Ausland zu einer Abschwächung des USD. Wangs, 17.03.2025