Market comment

Precious Metals

Gold hat im letzten Jahr mit einem Wertgewinn von über 50% in CHF die Performance eines Anlagedepots stark begünstigt; ähnliches geschah schon im Jahr zuvor. Die Erwartung, dass sich dies in diesem Jahr fortsetzten wird, hat sich bislang nicht erfüllt, noch enttäuschender fällt die Bilanz bei den anderen Edelmetallen aus. Der Optimismus beruhte zu Jahresbeginn auf verschiedenen Faktoren. So ging man davon aus, dass die amerikanische Zentralbank die Leitzinsen weiter senken und damit auch einen gewünschten Abwertungsdruck auf den US-Dollar erzeugen würde.

Sodann war durch die anhaltende Diversifizierung der Währungsreserven hauptsächlich von asiatischen Notenbanken eine stete Nachfrage gegeben. Auch das Interesse von privaten Investoren war absehbar, da deren Anteil an Edelmetallen am Gesamtvermögen eher bescheiden ist. Mit dem Irankrieg sind die Inflationssorgen im Jahresverlauf derart gross geworden, dass die Zinsen und Zinserwartungen völlig drehten. Diese Entwicklung hielt nebst den geopolitischen Verwerfungen den USD unerwartet stabil. Damit verloren Edelmetalle an Wert und am Nimbus, Schutz vor Inflation und politischen Wirren zu sein.

Die wohl wichtigste monetäre Grösse, welche den Preis der Edelmetalle beeinflusst, ist der reale Zins von US-Staatsanleihen – das ist die täglich beobachtbare Rendite von inflationsgeschützten Treasury Bonds. Diese Rendite hat sich im Laufe von 2026 deutlich erhöht und liegt um mehrjährige Höchstwerte. Die Treiber dieser Entwicklung könnten in absehbarer Zeit an Einfluss verlieren und eine Umkehr der Zinsentwicklung (reale Rendite) ermöglichen.

So hat insbesondere der neue Fed Chef Warsh, anfänglich von den Finanzmärkten im Verdacht eine Marionette Trumps zu sein, in seinen ersten Amtstagen bewiesen, dass er eine vom Weissen Haus unabhängige Politik betreiben will. Die Wiederherstellung des Vertrauens in die Zentralbank bedeutet, dass die Unsicherheit über die längerfristige Inflationsentwicklung verringert wird, was sich günstig auf den Realzins auswirken sollte. Desweitern ist die US-Währung deutlich überwertet und eine Korrektur scheint zumindest im Verhältnis zum Yen in Gang gesetzt worden sein.

Gemessen an der erwarteten Zinsentwicklung in den USA im Verhältnis zu wichtigen Ländern ist eine Abschwächung der US-Valuta im weiteren Jahresverlauf denkbar. Zu diesen Faktoren gesellt sich die Tatsache, dass die Goldkäufe von Notenbanken anhalten werden, was eine Umfrage bei den Währungsbehörden bestätigt. Kombiniert man diese Überlegungen mit einem deutlich verbesserten markttechnischen Bild kommt man zum Schluss, dass eine Wende bei der Preisentwicklung von Gold und in dessen Soge auch bei anderen Edelmetallen bevorstehen dürfte. Wir empfehlen daher an einer angemessen Goldposition im Depot festzuhalten.

Wangs 7. August, 2026