Die geopolitischen Entwicklungen gerieten zusehends aus dem Fokus der Finanzmärkte, obwohl eine nachhaltige Stabilisierung der Lage im Mittleren Osten kaum Fortschritte machte. So blieb der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus ein Bruchteil des Normalwertes. Die «unsichtbaren» Kräfte des Marktes wirkten in eine Richtung, welche die bedrohliche Verknappung der Weltwirtschaft mit Energie und Derivaten abfederten und so die konjunkturellen Perspektiven nicht wesentlich trübten.
Vor diesem starken wirtschaftlichen Hintergrund setzt sich der neue Fed Chef Warsh für eine unveränderte Zinspolitik ein, was seine Glaubwürdigkeit stärkte und die Inflationserwartungen stabilisierte. Die Europäische Zentralbank entschied sich den Leitsatz um 0.25% zu erhöhen, um die Inflationsdynamik im Euroraum zu bremsen. Für die Schweiz drängte sich erwartungsgemäss keine gleichartige Aktion auf und der Leitzins verblieb bei 0%. Der USD vermochte handelsgewichtet leicht zuzulegen. Die Erträge an den Obligationenmärkten waren leicht positiv, zumal sich die Risikoprämien wieder etwas zurückbildeten.
Edelmetalle enttäuschten erneut; der Goldpreis fiel um rund 10% in Schweizerfranken. Das Thema künstliche Intelligenz drang wieder in den Fokus der Aktienkäufer. Dabei standen Halbleiterhersteller wie auch Infrastruktur-Bereitsteller von Datenzentren in der Gunst. Der globale IT-Sektor war mit einem Plus von 40% der überragende Performancetreiber. Der Rückgang der Erdölpreise um rund 30% führte zu einer negativen Performance des Energie-Sektors von 14%. Die Segmente der aufstrebenden Märkte und der kleiner kapitalisierten Werte überzeugten erneut.
Eine überragende Vorstellung machten Südkorea und Taiwan dank ihrer KI-Firmen. In der Halbjahresperformance liegen EMA’s mit einem Plus von 24% deutlich vor den «alten» Märkten mit einem Plus von 10%. Das Segment der Small Caps liegt mit einer Performance von 17% dazwischen.
Entwicklungstendenz – Sand im Getriebe ist unübersehbar
Die Rekordjagd der Aktienmärkte ist getragen von den gigantischen Investitionen in die KI und der Hoffnung, dass sich diese auszahlen werden. Bislang hat dies nicht zu einer exzessiven Bewertung der Indices geführt, was für die gesuchtesten Aktien allerdings nicht gilt. Die Gewinnerwartungen sind überdurchschnittlich hoch und bergen Potential für Enttäuschungen. Die Geldpolitik dürfte weder in den USA noch in Europa eine Unterstützung für die Märkte geben; die Tendenz ist eher zu höheren, denn tieferen Leitzinsen.
Wenn auch die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegsgeschehens im Mittleren Osten weit geringer ausfielen als befürchtet, ist eine Normalisierung der Versorgung trotz (brüchigem) Waffenstillstand nicht gegeben. Die Lage bleibt brisant, doch dürfte im Hinblick auf die Zwischenwahlen in den USA im November Präsident Trump auf eine Eskalierung im Iran-Krieg verzichten. Das Momentum an den Aktienmärkten könnte noch einige Zeit anhalten, die Risiken sind allerdings sichtbar.
Daher bleiben wir dabei, dass ein breit diversifiziertes Portfolio die beste Lösung für den Anleger ist, die Chancen der Märkte mit angemessenem Risiko einzufangen.