Kommentar

Zollhammer für die Schweiz

Bleiben die Schweizer-Aktien vom Zollhammer verschont?

Seit heute Morgen gilt für die Schweiz ein Zollsatz von 39% für Waren, die in die USA eingeführt werden. Nicht betroffen sind Edelmetalle und Pharmaprodukte sowie selbstredend Dienstleistungen. Für Pharmaprodukte ist für die nächsten Tage eine Sonderregelung angekündigt, wobei Importzölle bis zu 250% angedroht werden. Die Reaktion des Schweizer Aktienmarktes blieb bislang überraschend gelassen. Dies hat damit zu tun, dass viele an der Börsen gehandelte Firmen kaum tangiert werden, sei dies, weil sie von den Steuern nicht betroffen sind oder ihre Produkte für den US-Markt bereits in den USA herstellen. Gerade letztere profitieren von den Zöllen, welchen ihren Konkurrenten aus Europa und Asien auferlegt werden. Zudem besteht die Hoffnung, dass der Bundesrat in nächster Zeit doch noch ein besseres Verhandlungsresultat erzielen wird.

Die Zölle betreffen vorab Maschinen, Präzisionsinstrumente und Uhren. Kleinere und hochspezialisierte Unternehmen aus diesen Segmenten mit Produktionsstandort Schweiz sind die wohl am meisten betroffenen Firmen. Neben den Zollkosten und der Aufwertung des CHF um rund 10% dieses Jahr kämpfen die Unternehmer mit Konkurrenten aus Europa, Korea und Japan welche tiefere Zolltarife auferlegt erhielten. Das KOF (Konjunkturforschungsstelle der ETH) rechnet mit einem jährlichen Wachstumsverlust von 0.3% bis 0.6% über die kommenden Jahre. Unter der Annahme eines gleichen Zollsatzes für Pharmaprodukte kann sich die Einbusse verdoppeln und eine Rezession nicht ausgeschlossen werden.

Es ist wohl anzunehmen, dass sich die skizzierten Rahmenbedingungen wieder ändern können, was gerade auch die Planung für die Unternehmer schwierig macht. Fundamentalorientierte Anleger orientieren sich an den Gewinnprognosen von Analysten, welche auf nunmehr wackeligen Annahmen beruhen. Der Nachrichtenstrom kann bei einzelnen Aktien der betroffenen Branchen zu erheblichen Ausschlägen führen. Wir gehen davon aus, dass vorderhand die Hoffnung auf eine bessere Zoll-Lösung die Angst eines konjunkturellen Einbruchs überwiegen wird. Dementsprechend rechnen wir damit, dass der Schweizer Aktienmarkt den Zollhammer einigermassen abfedern kann.

Wangs 7.8.2025