Vom militärischen Krieg zurück in den Handelskrieg (?)
Die Finanzmärkte haben auf den «Zwölftagekrieg» äusserst gelassen reagiert; am deutlichsten stieg die Volatilität bei den Energiepreisen. Ob die Region des Mittleren Osten nach den kriegerischen Ereignissen stabiler werden wird, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist, dass in einer multipolaren Welt die Zahl der Konflikte eher steigen wird. Die Aufmerksamkeit der Märkte dürfte sich vorerst von den geopolitischen Spannungen abwenden und anderen Themen zuwenden. So wird der von Trump verfügte Aufschub von Import- oder Strafzöllen von 90 Tagen anfangs Juli beendet sein.
Bislang ist wenig über Fortschritte bei den bilateralen Verhandlungen bekannt. Denkbar ist, dass dort wo die Verhandlungen aus Sicht der USA erfolgreich verlaufen, eine Verlängerung der Frist angesetzt wird. In schwierigeren Fällen könnten die angedrohten Tarife teils oder ganz eingeführt werden. Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der US-Zollpolitik sind daher auch nicht ganz einfach abzuschätzen.
Die US-Zentralbank hat an der jüngsten Sitzung zur Zinspolitik entschieden, dass die gegenwärtige Konstellation von Wachstum und Teuerung in Kombination mit den handelspolitischen Unwägbarkeiten keine Veränderung des Leitzinses benötige. Die Möglichkeit von eins bis zwei Zinssenkungsschritten im weiteren Jahresverlauf blieb offen. Die US-Aktienmärkte reflektieren mit ihrer hohen Bewertung eine zuversichtliche Entwicklung der Rahmenbedingungen.
Dementsprechend sind sie auch anfällig auf negative Entwicklungen, beispielsweise in der Zollpolitik, am Arbeitsmarkt oder beim Konsum, welche die Konjunkturaussichten eintrüben könnten. Schweizer Aktien und generell europäische Werte sind vergleichsweise vernünftiger bewertet. Zudem scheint die Konjunktur in Europa etwas Fahrt aufzunehmen, insbesondere mit erheblichen fiskalischen Mitteln der Bundesrepublik. Zusammenfassend würden wir unsere Empfehlung für die Aktienmärkte bestätigen, nämlich dabeizubleiben, der Strategie treu bleiben, Europa zu bevorzugen und das Risiko nicht aus den Augen zu verlieren.
Wangs 25.6.2025