Die USA haben gewählt – Märkte begrüssen einen möglichen «red sweep». Zurecht?
Trump und die Republikaner gehen aller Voraussicht nach als überraschend klare Sieger aus den Wahlen hervor. Die ersten Reaktionen an den Aktienmärkten sind euphorisch, wenngleich auch einzelne Segmente wie Alternativenergien abgestraft werden. Der US-Obligationenmarkt für Staatsanleihen erleidet leichte Verluste. Der US-Dollar gewinnt und ebenso die Kryptowährung Bitcoin. Trump hat mindestens zwei Jahre Zeit, um sein Wahlprogramm zu verwirklichen.
Dies heisst die Einwanderung zu begrenzen, die heimische Wirtschaft zu fördern mit weniger Vorschriften beispielsweise im Umweltbereich oder im Bankwesen, geringeren Unternehmenssteuern und generellen Importzöllen, bis zu 60% für Güter aus China. Das Wirtschaftsprogramm wird die Staatsverschuldung über die kommenden Jahre massiv erhöhen, den Inflationsdruck steigern und die langfristigen Zinsen auf ein höheres Niveau befördern. Vorderhand dürfte allerdings die Erwartung überwiegen, dass in den USA die Investitionstätigkeit beflügelt und der befürchtete Wachstumseinbruch ausbleiben wird.
Unter dieser Voraussetzung ist eine anhaltend positive Entwicklung am US- Aktienmarkt zu erwarten, vor allem auch unterstützt von den bislang skeptischen Anlegern. Weniger klar ist, ob die Aktien generell beflügelt werden, da ein Handelskrieg für die exportlastigen Märkte nicht positiv ausfallen wird. Die europäische Wirtschaft befindet sich ohnehin in einer Stagnation infolge der strauchelnden Automobilwirtschaft und fehlender politischer Konzepte, die erfolgversprechend sind. Auf mittlere Sicht verbleiben einige Unsicherheiten.
Die Indizien für eine markante Wachstumsabschwächung in den USA sind nicht zu übersehen. Die wirtschaftliche und politische Dimension der amerikanischen Handelspolitik ist schwierig einzuschätzen. Ein globaler Handelskrieg wird das Wirtschaftswachstum schwächen und der Kampf um die Führerschaft in Schlüsseltechnologien zwischen den USA und China die geopolitische Stabilität wohl eher verschlechtern. Mit der Wahl von Trump ist eine neue Dynamik an den US-Aktienmarkt zurückgekehrt, die noch einige Zeit anhalten dürfte. Aus taktischer Sicht ist es zumindest überlegenswert das Engagement in Aktien zu erhöhen.
Die Einschätzung für USD- Obligationen fällt dagegen negativ aus. Dies gilt hauptsächlich für mittlere bis lange Laufzeiten. In den letzten Wochen hat hier zwar schon eine kräftige Korrektur stattgefunden, doch eine schnelle Trendwende scheint eher unwahrscheinlich. Längerfristig sollten die geäusserten Bedenken nicht ausser Betracht gezogen werden, was dannzumal die relative Attraktivität von Aktien zu Bonds verschieben wird.
Wangs, 6.11.2024